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Editorial

★ Was in Apples kleinen Ladegeräten steckt


Vielleicht habt Ihr Euch schon gefragt, warum Apples kleine Netzteile mehr kosten als manche Alternative. Zerlegungen (Teardowns) zeigen viel Aufwand für stabile Spannung, geringe Störungen und Sicherheit. Wie viel davon den Preis erklärt, lohnt einen genaueren Blick.

Wie aus Netzspannung USB-Strom wird

Apples kleine Netzteile arbeiten als Schaltnetzteile. Zuerst wandelt ein Gleichrichter die Wechselspannung aus der Steckdose in Gleichspannung um. Kondensatoren glätten diese Spannung. Ein Transistor schaltet den Strom danach sehr schnell ein und aus.

Das ermöglicht einen kleinen Transformator. Bei den hier betrachteten Geräten arbeitet er nach dem Sperrwandlerprinzip, auch Flyback genannt. Während der Transistor eingeschaltet ist, speichert der Transformator Energie im Magnetfeld. Nach dem Abschalten gibt er diese an die Ausgangsseite ab. Dort sorgen ein weiterer Gleichrichter und Filter für nutzbare Gleichspannung.

Der Transformator erfüllt zugleich eine zentrale Schutzaufgabe: Seine getrennten Wicklungen übertragen Energie magnetisch. Dadurch besteht keine direkte leitende Verbindung zwischen Netzspannung und USB-Ausgang. Die eigentliche Ladung des Akkus steuert anschließend die Elektronik im iPhone oder iPad.

Fünf Stufen eines Schaltnetzteils: Gleichrichten, schnelles Schalten, magnetische Energieübertragung im Transformator, Gleichrichten und Glätten sowie USB-Ausgang. Zwei Detailbilder zeigen das Speichern und Abgeben der Energie.
Im Sperrwandler wird Energie erst im Magnetfeld gespeichert und danach zur USB-Seite übertragen. Die Wicklungen bleiben elektrisch getrennt. Vereinfachte Illustration, kein Schaltplan. · Eigene Illustration, mit KI erstellt

Regeln und Filtern erfüllen verschiedene Aufgaben

Beim Laden ändert sich der Strombedarf. Deshalb misst eine Rückkopplung die Ausgangsspannung und vergleicht sie mit einem Sollwert. Der Regler passt daraufhin die Schaltimpulse an. So bleibt die Spannung auch bei wechselnder Belastung möglichst konstant.

Die Rückmeldung muss die elektrische Trennung erhalten. Dafür eignen sich beispielsweise Optokoppler, die das Signal mit Licht übertragen. Neuere Lösungen können dafür eine magnetische Kopplung im Chip verwenden.

Filter erledigen eine andere Aufgabe: Sie verringern die kleinen Spannungsschwankungen, die das schnelle Schalten hinterlässt. Kondensatoren und Spulen wirken dabei zusammen. Weitere Filter und Abschirmungen begrenzen elektromagnetische Störungen. Viele Bauteile dienen also der Entstörung oder dem Schutz, statt unmittelbar die Spannung zu regeln.

Links ein Regelkreis vom USB-Ausgang über Spannungsmessung und Regler zurück zur Schaltstufe. Rechts zwei Kurven: Nach einem Ausgangsfilter schwankt die Spannung weniger als davor.
Die Regelung hält die Ausgangsspannung nahe am Sollwert. Filter verringern die verbleibenden Schwankungen. Die Kurven zeigen das Prinzip, keine Messwerte eines Apple-Netzteils. · Eigene Illustration, mit KI erstellt

Was am alten iPhone-Netzteil besonders war

Ein anschauliches Beispiel liefert Ken Shirriffs Zerlegung eines Apple-Netzteils mit 5 Watt aus dem Jahr 2012. Er fand zwei dicht bestückte Platinen und eine aufwendige Filterung. Am Ausgang saßen drei Kondensatoren, darunter zwei Tantaltypen, sowie eine Spule. Hinzu kamen eine Metallabschirmung und eine zusätzliche Schirmwicklung im Transformator.

Eine besondere Schaltung fing Spannungsspitzen am Transformator ab. Neben der normalen Spannungsregelung gab es eine zweite Rückkopplung. Sie schaltete das Netzteil bei Übertemperatur oder zu hoher Ausgangsspannung ab.

Auch die Isolation fiel auf: Die Ausgangswicklung verwendete dreifach isolierten Draht. Der Abstand zwischen Netzseite und Ausgang war großzügig bemessen. Solche Details brauchen Platz und erhöhen den Fertigungsaufwand.

Shirriffs Befund erklärt, warum dieses Netzteil mehr Bauteile enthielt als einfachere Vergleichsgeräte. Er beschreibt jedoch ein bestimmtes Modell. Daraus folgt kein pauschaler Qualitätsvorsprung gegenüber jedem anderen Hersteller.

Bei USB-C kommen Kommunikation und Spezialchips hinzu

Apples 18-Watt-Netzteil A1695 zeigt den nächsten Schritt. Die 2019 veröffentlichte Zerlegung dokumentiert einen angepassten Steuerchip von Power Integrations und einen separaten Kommunikationschip von Cypress. Letzterer handelt über USB Power Delivery die Versorgung mit dem angeschlossenen Gerät aus. Das Netzteil bietet 5 Volt bei bis zu 3 Ampere oder 9 Volt bei bis zu 2 Ampere.

Eine höhere Spannung wird erst nach der passenden Aushandlung freigegeben. USB Power Delivery ist dabei ein herstellerübergreifender Standard. Ein Apple-Netzteil verschafft dem iPhone deshalb keinen grundsätzlichen Vorteil gegenüber einem passend ausgelegten Fremdfabrikat.

Das 18-Watt-Modell nutzt außerdem eine synchrone Gleichrichtung. Dabei übernimmt ein gesteuerter Transistor die Aufgabe einer Diode am Ausgang. Das kann Verluste und Wärme verringern.

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Beim 2023 untersuchten 20-Watt-Modell A2940 steckt noch mehr Funktion in einem Baustein. Dessen Spezialchip vereint unter anderem Schaltsteuerung, Leistungstransistor, Rückkopplung und USB-Kommunikation. Das zeigt, warum die Zahl sichtbarer Bauteile allein wenig aussagt. Eine übersichtlichere Platine kann eine sehr komplexe Regelung enthalten.

Was den Preis erklärt – und was offenbleibt

Aufwendige Filter, sorgfältige Isolation und Schutzschaltungen sind konkrete technische Leistungen. Dazu kommen die kompakte Anordnung und mechanisch gut befestigte Bauteile. Die Zerlegungen machen diesen Aufwand sichtbar.

20W USB‑C Power-Adapter von Apple
20W USB‑C Power-Adapter von Apple · Apple

Den gesamten Verkaufspreis erklären sie jedoch nicht. Aus einem geöffneten Netzteil lassen sich weder Entwicklungskosten noch Apples Gewinnspanne zuverlässig bestimmen. Auch eine bekannte Bauteilmarke beweist für sich genommen keine lange Lebensdauer.

Apple verlangt im deutschen Store derzeit 19 Euro für das 20-Watt-Netzteil, ohne Ladekabel. Für Eure Auswahl zählen passende Leistung, unterstützte Ladeprofile, Sicherheit und Verarbeitung. Apple erlaubt ausdrücklich auch Netzteile anderer Hersteller, die die geltenden Sicherheitsstandards erfüllen.

Die kleinen Apple-Netzteile zeigen sorgfältige Ingenieursarbeit. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt vom konkreten Vergleichsgerät ab. Das Apple-Logo allein ersetzt diesen Vergleich ebenso wenig wie eine hohe Wattzahl.

Quellen:
Ken Shirriff: Apple iPhone charger teardown (2012), eigene Schaltungsanalyse
ChargerLAB: Zerlegung Apple 18W A1695 (2019)
ChargerLAB: Zerlegung Apple 20W A2940 (2023)
Texas Instruments: Flyback Converters, SLVAFK6
onsemi: USB-C Battery Charger, Funktionsblöcke und synchrone Gleichrichtung
Renesas: USB Power Delivery, Aushandlung und Schutz
Apple: Netzteile für das iPhone, Nutzung geeigneter Fremdnetzteile
Apple Store Deutschland: 20W USB-C Power Adapter, Preis am 23.10.2026