Im Rechtsstreit mit Apple erhebt OpenAI einen neuen Vorwurf: Ein früherer Mitarbeiter soll vertrauliche Unterlagen zu einem unveröffentlichten Gerät auf persönliche Konten übertragen haben und später zu Apple zurückgekehrt sein.
Laut einer Gerichtseingabe von OpenAI umfassen die mehr als hundert Dateien detaillierte Gerätebilder, Konstruktions- und Fertigungsdaten. Hinzu kämen Informationen zu Zulieferern und Vorgaben für die Oberflächen der Geräte. OpenAI nennt auch Berichte über Beschichtungen und die Abdichtung von Bauteilen. Der Mitarbeiter soll die Dateien am 2. Juni 2026 übertragen haben, seinem letzten Arbeitstag bei OpenAI.
Der Mann war zuvor von Apple zu OpenAI gewechselt und hatte dort sechs Monate gearbeitet. OpenAI behauptet, er habe Apples Führung bereits Monate zuvor Produktpläne vorgestellt. Unter den Teilnehmern sei Apples für den Betrieb in Asien zuständige Vizepräsidentin gewesen.
OpenAI befürchtet, Apple könne die Informationen für eigene KI-Geräte nutzen. Das Unternehmen habe Apple um Zusicherungen gebeten, die Daten weder zu besitzen noch verwendet zu haben. Diese Zusicherungen habe Apple bislang nicht gegeben. Gegenüber Reuters erklärte Apple, keine Belege für OpenAIs Vorwürfe gefunden zu haben. Richtlinien sollen verhindern, dass neue Mitarbeiter vertrauliche Informationen früherer Arbeitgeber verwenden.
OpenAI hat das Gericht um Erlaubnis gebeten, die Angelegenheit weiter zu untersuchen. Gegebenenfalls will das Unternehmen Gegenklagen verfolgen.
Apple hatte OpenAI im Juli wegen mutmaßlich entwendeter Geschäftsgeheimnisse verklagt. Über Apples Vorwürfe und erste forensische Ergebnisse hatten wir bereits berichtet. OpenAI bestreitet Apples Anschuldigungen und erklärte, keine Geschäftsgeheimnisse von Apple besitzen oder haben zu wollen.
Das Gericht hat Apples Antrag auf beschleunigte Beweisaufnahme inzwischen teilweise bewilligt. OpenAI soll binnen zwei Wochen forensische Beweise sowie Unterlagen zu Gesprächen mit früheren Apple-Mitarbeitern vorlegen. Anschließend sollen Chang Liu, Tang Tan und Alyssa Peng aussagen. Richter Edward Davila sagte bei einer Anhörung, er werde OpenAI höchstwahrscheinlich vorläufig untersagen, Apples angeblich entwendete Geschäftsgeheimnisse zu nutzen. Eine solche Verfügung steht noch aus.
Quellen:
OpenAI, Gerichtseingabe
Reuters, Apples Stellungnahme
US-Bundesgericht, Anordnung und Anhörung