Apple hat die nächste Generation von Apple Intelligence veröffentlicht. Doch wer sein iPhone oder seinen Mac auf Deutsch nutzt, bekommt ein anderes Paket als die Werbung für Siri AI vermuten lässt. Einige Funktionen fehlen wegen regionaler Einschränkungen, andere unterstützen unsere Sprache noch nicht. Trotzdem bleibt eine Reihe nützlicher Neuerungen. Entscheidend ist, welche davon im eigenen Alltag helfen.
Siri bleibt die größte Lücke
Siri AI startet als Beta, also als noch nicht fertige Version, zunächst auf Englisch. Im Oktober sollen Französisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch und Spanisch folgen. Deutsch steht nicht auf dieser Liste. In der EU fehlen Siri AI und davon abhängige Funktionen außerdem zunächst auf iPhone, iPad und Apple Watch. Auf unterstützten Macs und der Vision Pro ist Siri AI hingegen auf Englisch zugänglich. Eine bloße Sprachumstellung am iPhone reicht deshalb nicht.
Hinter der EU-Verzögerung steht ein Streit über den Digital Markets Act und den Zugang konkurrierender Assistenten zu Systemfunktionen und Nutzerdaten. Apple sieht den Datenschutz gefährdet. Die EU-Kommission widerspricht: Das Gesetz verbiete keine neuen Produkte; Apple entscheide selbst über den Start. Die Verzögerung allein der EU anzulasten, wäre daher zu einfach. Ebenso wenig ist belegt, dass Deutsch allein wegen des Beta-Status fehlt. Sprachunterstützung und EU-Zugang sind zwei getrennte Fragen.
Fotos-App bekommt die sichtbarsten Verbesserungen
Für deutsche Anwender lohnt sich vor allem ein Blick in Fotos. Mit „Räumliche Neuausrichtung“ lässt sich die Perspektive einer Aufnahme nachträglich verändern. „Erweitern“ ergänzt fehlende Bildbereiche, etwa wenn ein anderer Ausschnitt gewünscht ist. Das verbesserte „Bereinigen“ soll störende Objekte überzeugender entfernen. Die KI erzeugt dabei Bildinhalte hinzu. Das Ergebnis ist also eine bearbeitete Darstellung des Moments.
Auch Image Playground wird vielseitiger. Die App erzeugt nun fotorealistische Bilder und erlaubt Änderungen per Beschreibung oder durch das Markieren einzelner Objekte. Dazu kommen passende Formate für Hintergrundbilder und Kontaktposter. Genmojis sollen ebenfalls besser aussehen und sich durch beschriebene Änderungswünsche anpassen lassen.
Kleine Helfer im Alltag
Safari kann offene Tabs automatisch nach Themen ordnen. Mit „Mitteilung an mich“ überwacht der Browser Webseiten und meldet beispielsweise sinkende Preise oder wieder lieferbare Produkte. Eigene Erweiterungen lassen sich durch eine Beschreibung erstellen. Wer regelmäßig dieselben Seiten kontrolliert, könnte sich damit einige Klicks sparen.
Ähnlich arbeitet „Beschreibe einen Kurzbefehl“: Man erklärt den gewünschten Ablauf, und die App stellt die nötigen Schritte zusammen. Auch Änderungen lassen sich beschreiben. Im Kalender können Nutzer Termine mit einfachen Worten anlegen oder bearbeiten. Solche kleinen Hilfen sind weniger spektakulär als ein neuer Sprachassistent, können aber täglich Zeit sparen.
Die Home-App fasst zusammengehörige Meldungen zusammen. Bei Kameras kommen Beschreibungen von Aufnahmen und eine Suche nach Ereignissen hinzu. Dafür sind passende Geräte, eine Steuerzentrale und für die Videofunktionen ein geeigneter iCloud+-Tarif nötig. VoiceOver und Lupe erhalten ausführlichere Beschreibungen; der Reader für Bedienungshilfen kann Texte zusammenfassen und übersetzen. Hinzu kommt verbessertes automatisches Korrekturlesen.
Die Fußnoten entscheiden
Andere Neuerungen helfen bei deutscher Sprache vorerst wenig: Vorschläge in Mail, Anrufkontext und intelligente Datei- und Ordnernamen starten auf Englisch. Workout Buddy unterstützt Englisch und Spanisch. Die neue KI-Sprachsteuerung ist auf vier englischsprachige Länder begrenzt.
Auch die verbesserte Diktierfunktion kennzeichnet Apple auf seiner Produktseite als englischsprachig. Sie verlangt außerdem neuere Hardware. Vorschläge für Unterhaltungen in Nachrichten folgen erst mit einem späteren Update.
Grundsätzlich benötigen die Neuerungen die Betriebssystemversionen 27 und kompatible Hardware: beim iPhone mindestens ein 15 Pro beziehungsweise ein Modell der 16er-Reihe oder neuer. Auf Macs werden unter anderem Modelle ab M1 unterstützt. Für manche KI-Funktionen gelten tägliche Nutzungslimits; erweiterten Zugang will Apple künftig gegen Bezahlung anbieten.
Für deutsche Nutzer ist das ein Update mit deutlichen Lücken, aber auch mit praktischem Nutzen. Fotos, Safari und Kurzbefehle bieten gute Ansatzpunkte. Die große Hoffnung auf eine deutschsprachige Siri, die persönliche Zusammenhänge versteht und Aufgaben übernimmt, bleibt dagegen offen. Apple sollte deshalb klarer zeigen, was heute auf welchem Gerät und in welcher Sprache funktioniert.