Apples erstes faltbares iPhone kostet mindestens 2.299 Euro, mit 512 GB Speicher sind es 2.549 Euro. Lässt sich das mit aufwendiger Technik erklären? Der Vergleich mit dem iPad mini eröffnet eine andere Perspektive auf den Preis.
Vergleich mit dem iPhone 18 Pro
Wer verstehen will, warum das iPhone Duo so teuer ist, beginnt wahrscheinlich beim iPhone 18 Pro. Dazu kommen ein faltbares Innendisplay, ein zweiter Bildschirm und ein aufwendiges Scharnier. Dass diese Zutaten den Preis nach oben treiben, leuchtet ein.
Bei gleicher Speicherausstattung liegt das Duo stolze 850 Euro über dem iPhone 18 Pro.
Um das Rätsel noch rätselhafter zu machen, sollte man auch bedenken, dass das iPhone Duo manche Dinge nicht bietet, die bei den iPhone Pro zum Standard gehören: Es besitzt beispielsweise kein separates Teleobjektiv, keine Face ID und keinen LiDAR-Scanner.
Vergleich mit dem iPad mini
Man kann die Rechnung allerdings auch andersherum aufmachen: Ein iPad mini bietet bereits einen Bildschirm in ungefähr derselben Größenordnung. Mit 256 GB Speicher kostet es als WLAN-Modell 809 Euro, mit Mobilfunk 979 Euro. Gegenüber dem iPad mini mit Mobilfunk beträgt der Abstand enorme 1.320 Euro. Das gilt sowohl für 256 als auch für 512 GB.
Die Frage ist nun: Was müsste man verändern, damit aus dem iPad mini ein faltbares Telefon wird? Und würde dieser Umbau wirklich einen Verkaufspreis von 2.299 Euro erklären?
Technisch müsste man am iPad mini erheblich mehr verändern, als es in der Mitte faltbar zu machen. Sein 8,3-Zoll-LCD würde durch ein faltbares 7,6-Zoll-OLED ersetzt, ergänzt um ein äußeres 5,4-Zoll-OLED. Beide Duo-Displays unterstützen adaptive Bildwiederholraten bis 120 Hz. Außerdem steht dem A17 Pro des iPad mini ein neuer A20 Pro gegenüber.
Ist es das Display?
Laut einem Bericht unter Berufung auf den Leaker »Instant Digital« soll Apple rund 250 US-Dollar pro faltbarem Displaypanel an Samsung Display zahlen. Bestätigt ist diese Zahl nicht. Falls sie stimmt, wäre das Display zweifellos eine kostspielige Komponente.
Auch Ausschuss und Nacharbeit könnten deshalb eine Rolle spielen. Dazu kommen Entwicklungskosten, Werkzeuge und Prüfverfahren, die sich bei kleinen Stückzahlen auf weniger verkaufte Geräte verteilen.
Es ist möglich (aber rein spekulativ), dass das Display nicht direkt verbaut werden kann. Apple spricht von zehn Schichten, die über das Display gelegt werden, um die gewünschte Stabilität zu erreichen. Liefert Samsung das gleich mit oder muss Apple das OLED-Panel erst auf diese Weise fit machen für das Duo?
Ist es die Mechanik?
Apple beschreibt ein Scharnier mit mehr als 100 Komponenten. Es ist nicht allein diese hohe Zahl, sondern die Tatsache, dass es bewegliche Teile sind. Ein normales iPhone kann fast völlig automatisiert bestückt werden. Ein Roboter platziert die winzigen Bausteine auf der Platine. Es ist einfach, die Platine als Ganzes in das Gehäuse zu schrauben. Mechanische Teile hingegen, die auch noch mit Federn ausgestattet sind, könnten deutlich aufwändiger sein.
Dabei sollte man auch bedenken, wie dünn die zwei Hälften des iPhone Duo sind. Wenn man dünn bauen möchte, muss man präzise bauen. Präzise ist ein anderes Wort für teuer.
Man muss sich nur das iPhone Air anschauen: Es ist ebenfalls sehr dünn, benötigt aber keine mechanischen Bauteile.
Ist es der Profit?
Vermutlich ist die Fertigung noch nicht so optimiert wie bei den anderen iPhones. Hinzu kommt, dass die bisherigen iPhones sehr profitabel sind. Warum sollte Apple eine neue Modellreihe auf den Markt bringen, die die Kunden umsteigen lässt von einem hochprofitablen Modell zu einem weniger profitablen Modell? Das wäre töricht. Vielleicht konkurriert das iPhone Duo, obwohl es noch nicht so effizient produziert werden kann, mit den etablierten Modellen, in denen fast zwei Jahrzehnte an Optimierungen stecken.
Apple kennt seine Kunden. Es werden anfangs sowieso jene zur Kreditkarte greifen, die sich für die Ingenieurskunst begeistern, und die deswegen nicht mit spitzem Bleistift nachrechnen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Man kann die Preise später immer noch senken.
Zwei in einem?
Apple selbst liefert eine bemerkenswerte Preisbegründung. Marketingchef Greg Joswiak sagte laut einem Interviewbericht, das Gerät heiße aus gutem Grund iPhone Duo: Es sei wie zwei Produkte in einem.
Allerdings würde man bei solchen Kombi-Geräten einen Preisvorteil erwarten. Den gibt es aber nicht. Ein iPhone 18 Pro und ein iPad mini mit WLAN, jeweils mit 256 GB Speicher, kosten zusammen 2.258 Euro. Das Duo liegt 41 Euro darüber. Das Duo ist also noch teurer als die separaten Geräte.
Es stimmt zwar: Dafür passt es in die Hosentasche. Aber wenn man nichts spart gegenüber zwei separaten Geräten, geht auch etwas von der Cleverness der Idee verloren. Man benötigt bei einem Kombi-Gerät nämlich nur einen Prozessor, ein Gehäuse, einen RAM-Chip, eine SSD, ein Mainboard, ein Kamera-Modul und so weiter. Da müsste man doch etwas sparen können gegenüber zwei separaten Geräten?
Eins kommt zum anderen
Vermutlich gibt es nicht die eine Ursache, die den hohen Preis erklärt. Zählt man jedoch alle Argumente zusammen, kommt man durchaus in die Nähe. Teures Display, viele Einzelteile, filigrane Mechanik, knifflige Fertigung, hohe Einkaufspreise für RAM und SSD, dazu die enormen Gehälter von John Ternus und Tim Cook — da läppert sich was zusammen.
In der Debatte ist ein Argument immer wieder zu hören. Es wird nicht danach gefragt, ob der Preis gerechtfertigt ist, sondern vielmehr, ob man generell bereit ist, für ein Smartphone so viel Geld zu bezahlen, egal welche Funktionen es bietet. Es gibt anscheinend viele Kunden, die überhaupt nicht darüber nachdenken.
Dann findet man aber auch Kunden, die viel unterwegs sind und den ganzen Tag das iPhone als kleinen Mini-Computer benutzen. Für manche dieser Kunden ist das Duo vielleicht ein »No-Brainer«: gesehen, gekauft.
Aber vielleicht hängt der Erfolg des iPhone am Ende gar nicht davon ab, ob die Hardware den Preis rechtfertigt.
Sondern die Software.