Bei einer neuen iPhone-Kamera schaue ich zuerst auf die Objektive. Wie weit komme ich ans Motiv heran? Was passt aufs Bild? Beim iPhone Duo interessiert mich diesmal aber besonders, was auf der anderen Seite passiert. Der äußere Bildschirm lässt die Menschen vor der Kamera mitreden. Für Familienfotos und gemeinsame Erinnerungen könnte es sich als ziemlich praktisch erweisen.
Die zwei Hauptkameras
Die Grundlage bilden zwei Kameras auf der Rückseite. Die 48-Megapixel-Hauptkamera heißt bei Apple „Fusion Main“ und hat eine feste Blende von ƒ/1,6. Dazu kommt eine Ultraweitwinkelkamera mit ebenfalls 48 Megapixeln und ƒ/2,2. Sie nimmt einen größeren Ausschnitt auf und unterstützt Makrofotos, also Aufnahmen aus nächster Nähe. Damit lassen sich sowohl eine Landschaft als auch die feinen Strukturen einer Blüte festhalten.
Ein eigenes Teleobjektiv fehlt. Die Hauptkamera bietet allerdings eine zweifache Vergrößerung, die Apple als „optische Qualität“ bezeichnet. Das sollte man beim Vergleich mit den Pro-Modellen im Kopf behalten: Eine zusätzliche Telekamera steckt dahinter nicht. Wer oft weit entfernte Motive fotografiert, wird deshalb genau hinschauen müssen. Für mich bleibt das eine spürbare Grenze dieses Kamerasystems.
Im Alltag fotografieren die rückseitigen Kameras standardmäßig mit 24 Megapixeln. Die Hauptkamera schafft auch bis zu 48 Megapixel und löst laut Apple ohne Auslöseverzögerung aus. Eine bewegliche Sensorlagerung gleicht Verwacklungen optisch aus. Bei den fotografischen Stilen kommen Regler für Textur und Körnung hinzu. Wer seinen Bildern einen eigenen Look geben möchte, bekommt damit mehr Spielraum.
Spezielle Funktionen des iPhone Duo
Richtig neugierig macht mich Duo Preview. Die fotografierte Person sieht das Livebild auf dem äußeren Display. Sie kann ihre Haltung ändern, den Bildausschnitt prüfen oder sagen, dass die Kamera etwas höher gehört. Ich mag die Idee, dass ein Foto so gemeinsam entsteht. Auch Selfies mit den höher auflösenden Rückkameras sind möglich, während der Außenbildschirm bei der Ausrichtung hilft.
Kid Cue geht spielerischer vor: Auf dem äußeren Display laufen Peanuts-Animationen, die Kinder zur Kamera schauen lassen sollen. Ob das beim eigenen Nachwuchs länger als drei Bilder funktioniert, wird sich zeigen. Den Ansatz finde ich sympathisch. Ein kurzer neugieriger Blick kann für ein schönes Foto schließlich schon reichen.
Noch hilfreicher könnte Smart Take sein. Das halb aufgeklappte Duo lässt sich auf einer Fläche aufstellen. Auf dem Gerät laufende KI erkennt laut Apple, wenn Menschen posieren, und nimmt automatisch Fotos auf. Ich denke dabei sofort an Gruppenbilder, bei denen sonst jemand fehlt oder nach dem Start des Selbstauslösers hektisch ins Bild rennt. Wie zuverlässig die Automatik den passenden Moment trifft, muss ein Praxistest zeigen.
Die Selfie-Kamera
Für Selfies und Videoanrufe gibt es außen außerdem eine Center-Stage-Kamera mit 12 Megapixeln. Sie kann den Ausschnitt erweitern, wenn weitere Personen dazukommen, und Querformat-Aufnahmen ermöglichen, ohne dass man das iPhone dreht. Unter dem inneren Display sitzt eine separate FaceTime-Kamera. Sie liefert Videos mit bis zu 1080p und 60 Bildern pro Sekunde. Apple beschreibt sie als verborgen, wenn sie nicht gebraucht wird. Wie auffällig der Kamerabereich während der Nutzung aussieht, bleibt anhand der vorliegenden Informationen offen.
Duo FaceTime nutzt beide Seiten besonders schön: Eine Person, die bei mir sitzt, kann über das äußere Display samt Kamera am Gespräch teilnehmen. Niemand muss sich neben mich vor denselben Bildschirm quetschen. Dual Capture erlaubt zudem, in FaceTime gleichzeitig das Bild der vorderen und hinteren Kamera zu teilen.
Video
Auch beim Filmen hat das Duo einiges zu bieten. Die Hauptkamera nimmt Dolby-Vision-Videos in 4K mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde auf, etwa für Zeitlupen. Kinoeffekte lassen sich nachträglich bei Aufnahmen mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde anwenden. Dazu kommen 4K-Zeitraffer in Dolby Vision HDR und ein überarbeitetes Audio Mix, das Stimmen verbessern und Musik isolieren kann.
Fazit
Mein erster Eindruck auf Basis der Ankündigung: Der Reiz dieser Kameras liegt für mich im gemeinsamen Fotografieren. Sich selbst sehen, zusammen posieren, entspannt am Videoanruf teilnehmen – dafür haben die zwei Bildschirme einen klaren Nutzen. Wenn das im Alltag so einfach funktioniert wie beschrieben, dürfte genau das vielen Menschen besonders viel Freude machen.