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★ Übertrifft GPT-6 Astra die menschliche Intelligenz?
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„Willkommen in der Ära der AGI.“ Mit diesen Worten beendete OpenAI-Präsident Greg Brockman die Vorstellung von GPT-6 Astra. Er sagte zugleich, die Nutzer sollten selbst entscheiden, ob das Modell schon als AGI gelte. Was dieses Kürzel bedeutet, wird gleich erklärt. Seine Vorsicht ist berechtigt. Astra zeigt Fähigkeiten, die vor Kurzem noch wie Science-Fiction wirkten. Doch es ist nicht in jeder Aufgabe gleich gut – und genau deshalb lässt sich der Beginn von AGI schwer auf ein Datum festlegen.
AGI – das große Ziel
AGI steht für Artificial General Intelligence, auf Deutsch künstliche allgemeine Intelligenz. „Allgemein“ ist der wichtige Teil. Ein Schachprogramm kann den Weltmeister schlagen, ist aber außerhalb des Schachbretts nutzlos. Eine AGI soll dagegen viele verschiedene geistige Aufgaben verstehen, neue Aufgaben lernen und Wissen zwischen Bereichen übertragen. Sie braucht dafür weder Bewusstsein noch Gefühle. Entscheidend ist, was sie leisten kann. OpenAI definiert AGI seit Jahren als stark selbstständig arbeitende Systeme, die Menschen bei den meisten wirtschaftlich wichtigen Aufgaben übertreffen. Forschende von Google DeepMind schlagen eine feinere Skala vor: Man solle Breite, Leistungsniveau und Selbstständigkeit getrennt bewerten. AGI wäre dann eher eine Reihe von Stufen als eine einzige Ziellinie.
Nach dieser Sicht ist Astra ein starkes Argument für den Ausdruck „AGI-Ära“. Das Modell kann nicht nur Fragen beantworten. Es recherchiert, programmiert, analysiert Daten und erstellt fertige Dokumente, Tabellen oder Präsentationen. In Codex, OpenAIs Arbeitsumgebung für KI-Agenten, kann es Ordner lesen, Dateien anlegen und ändern, Programme ausführen und Ergebnisse prüfen. Anstelle von: „Schreibe mir eine Anleitung“ wird nun eine komplexe Tätigkeit möglich, etwa: „Prüfe diese 200 Dateien, sortiere die Daten, baue eine Tabelle mit Diagrammen und liefere einen Bericht.“ Für Apple-Anwender könnte eine Aufgabe lauten: „Finde den Fehler in meinem SwiftUI-Projekt, ändere den Code, starte die Tests und zeige mir das Ergebnis.“
Computer Use
Besonders wichtig ist Computer Use. Dabei sieht die KI die Oberfläche einer App, klickt auf Schaltflächen und tippt wie ein Mensch. So kann sie Informationen aus Nachrichten und Notizen zusammentragen, Formulare ausfüllen, Termine pflegen oder eine Website testen – auch wenn es für die App keine besondere Schnittstelle gibt.
Mit GPT-5.6 Sol war das oft quälend langsam. Astra erledigte OpenAIs simulierte Computeraufgaben in rund 47 Prozent weniger Zeit; zusammen mit der überarbeiteten Codex-Umgebung wurden Browser-Aufgaben 1,9-mal schneller abgeschlossen (also die Bedienung einer komplexen Webseite). Damit nähert sich die Bedienung dem Tempo eines Menschen, auch wenn das noch kein allgemeiner Beweis für Menschengeschwindigkeit in jeder App ist.
Eine neue Ära?
Die Testergebnisse erklären zugleich, warum Brockman von einer „Ära“ und nicht von einem eindeutigen AGI-Sieg spricht. Beim ARC-AGI-3-Test muss ein System unbekannte, spielartige Welten erkunden, deren Regeln erkennen und Handlungen planen. Astra kam mit OpenAIs eigener Gedächtnistechnik auf 99,9 Prozent und benötigte bei fast allen gelösten Aufgaben weniger Schritte als der typische Mensch. Diese Technik weicht aber vom ursprünglichen Test-Szenario ab: In der ursprünglichen Testumgebung, ohne die spezielle Technik, erreichte es nur 62,7 Prozent. Die ARC Prize Foundation (die den Test entwickelt hat) spricht tatsächlich von einem großen Sprung, betont aber: Der Test besteht aus kleinen, abgeschlossenen Welten und beweist keine allgemeine Intelligenz. Anders gesagt: Eindrucksvoll, aber nur ein Test von vielen. Auch OpenAIs andere Prüfungen zeigen ein gemischtes Bild. Manche Mathematik- und Sicherheitsaufgaben beherrscht Astra fast vollständig, bei breiten Wissens- und Arbeitsaufgaben liegt es oft nur zwischen etwa 40 und 70 Prozent.
Allerdings: Menschen würden ebenfalls nicht alle Tests zu 100 Prozent bestehen. Und das ist die Messlatte für AGI: Ein System zu schaffen, dass bei den meisten Aufgaben so gut abschneidet wie es Menschen normalerweise gelingen würde. Nur sind Menschen eben sehr unterschiedlich.
AGI schien für Jahrzehnte so außer Reichweite, dass man sich nicht groß darum bemühen musste, es klar zu definieren. Meist wird AGI so verstanden, dass eine KI besser programmieren können muss, als es »normale Menschen« können, um den Test zu bestehen. Aber, und das wird oft übersehen: Gemeint sind Fachgebiete, beispielsweise »normale Programmierer« und »normale Mathematiker« (falls es sowas überhaupt gibt, man ist noch auf der Suche). Wenn man diese einzelnen Fähigkeiten kombiniert, dann ist das schon außergewöhnlich intelligent. Denn welcher »normale Arzt« kann schon so gut programmieren wie ein »normaler Programmierer«? Insofern wäre das Erreichen von AGI mehr, als einfach nur mit dem Menschen gleichzuziehen.
Ist es gelungen?
Ist Astra also AGI? Wenn man dem Begriff nicht zu viel abverlangt, kann man das vertreten. Ein verlässlicher Ersatz für einen Menschen, der sich in fast jede neue Lage einarbeitet, ist es noch nicht. Ein Modell kann einen schwierigen mathematischen Beweis unterstützen und kurz darauf an einer missverständlichen Schaltfläche scheitern. Es wird also nach und nach Bereiche geben, bei denen das Siegel »AGI« gerechtfertigt ist, und das ist neu.
OpenAI betont, dass GPT 6 Astra vor allem sehr gut darin wäre, die Intention des Menschen zu verstehen. Das ist eine wichtige Eigenschaft, denn selbst das klügste Modell ist für den Menschen nicht nützlich, wenn es nicht versteht, was der Mensch will.
Was kommt als nächstes?
Nach AGI käme theoretisch ASI, die Artificial Superintelligence. Damit ist ein System gemeint, das selbst die besten Menschen in fast allen wichtigen geistigen Bereichen weit übertrifft. Eine solche KI existiert bisher nicht. Der mögliche Übergang könnte sich beschleunigen, wenn KI einen großen Teil der KI-Forschung selbst übernimmt: Sie könnte neue Modelle entwerfen, Versuche ausführen und ihre Ergebnisse verbessern. OpenAI nennt einen automatisierten KI-Forscher bereits als Ziel für die kommenden Jahre. Daraus könnten schnellere Fortschritte in Medizin, Energie und Technik entstehen – zugleich aber größere Gefahren durch Cyberangriffe oder Entscheidungen, die Menschen kaum noch prüfen können.
Interessant ist dabei, dass AGI (also das Erreichen der menschlichen Intelligenz) eine Ziellinie darstellt, auch wenn sie unscharf ist. Aber ASI ist unbegrenzt. Vielleicht wird uns AGI irgendwann vorkommen als eine für einen Computer lächerliche Leistungsstufe, vergleichbar mit dem ersten Macintosh mit 128 kByte. Es war ein Meilenstein, aber kaum noch begreifbar, dass man damit tatsächlich arbeiten konnte.
Der nüchternste Schluss lautet daher: Astra ist kein amtlicher Stempel „AGI erreicht“. Es markiert aber einen Wechsel vom Chatbot zum digitalen Mitarbeiter, der Wissen in Handlungen und fertige Arbeit verwandelt. Wenn man unter einer Ära eine Übergangszeit versteht, in der immer mehr menschliche Denkarbeit von solchen Systemen übernommen werden kann, ist es durchaus eine bemerkenswerte Errungenschaft der Ingenieure.
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