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Editorial

Mac-TV klaut bei Spotlight


Haltet den Dieb! Da läuft er! — Kann sich vielleicht jemand an eine Sendung über die neue Version von Spotlight erinnern, die ab Herbst in unseren Geräten werkelt? Oder an einen Artikel über den »semantischen Index«?

Vermutlich nicht, denn diese Technologien sind irgendwie nebulös. Man könnte fragen: »Was hat der semantische Index JEMALS für uns getan?«

So kommt es, dass die Meldung »Apple bringt neuen Putzlumpen für 9 Dollar« tatsächlich auf größeres Interesse stößt. Es ist wahr!

Aber in den letzten Tagen ist in den Newstickern eine Meldung über die lange Dauer einer Spotlight-Indizierung erschienen. Wir haben die Meldung sogar für unseren eigenen Newsfeed gekl... übernommen. Durch das erwachte Interesse kann man es wagen, das Thema erneut zu behandeln.

Nur ganz kurz: Diese News-Meldungen bestätigen zwar, dass eine Spotlight-Indizierung recht lange dauern kann. Aber sie erläutern nicht, warum. Genau das erklären wir in unserer Sendung (klick mich).

Falls Du gerade keine Zeit hast, kannst Du später im Archiv danach suchen. Du suchst dann eine Sendung über die Suche! Haha!

Allerdings: Wonach soll man genau suchen? Das ist gar nicht so einfach. Und da sind wir mittendrin im Thema.

Suchbegriffe sind Technik von gestern

Der Suchbegriff und der Inhalt, den man sucht, müssen exakt zusammenpassen. Damit das funktioniert, enthalten heutzutage alle Inhalte einige Schlagworte (Tags), nach denen die Anwender eventuell suchen könnten.

Das Dilemma: Wenn die Begriffe zu spezifisch sind (etwa: »Semantischer Index, Index, Semantik, Vektoren«), dann wird kaum jemand danach suchen. Wenn die Begriffe zu unspezifisch sind (etwa: »Suche«), dann werden zu viele Beiträge gefunden, die mit der Sache nichts zu tun haben.

Zwei kurze Beispiele dazu, hier das erste: Gestern habe ich in unserer Artikel-Datenbank nach »Keynote« gesucht, weil ich wissen wollte, ob die kommende Keynote schon angekündigt war. Das war sie auch. Jedoch habe ich den Eintrag nicht gefunden. Denn streng genommen ist es ja keine Keynote mehr; deswegen war es akkurat gespeichert als »Apple Event«. Beide Begriffe, »Apple Event« und »Keynote«, meinen dasselbe, aber sie stimmen nicht überein. Keynote könnte auch eine App sein.

Das zweite Beispiel: Die Worte »Der Weltuntergang ist nahe!« und »Tokio Hotel moderiert Wetten Dass…?« sind inhaltlich identisch, aber man hätte es mit der klassischen Suche niemals gefunden. Und dann hätte man es womöglich gar nicht bemerkt.

Vektoren sind die Technik von morgen

Spotlight verwendet in Zukunft eine Technologie, die nicht mehr einzelne Stichwörter berücksichtigt, sondern die Bedeutung des ganzen Textes (oder des ganzen Bildes).

Hier muss man genau hinsehen. Es sind zwei Dinge: Erstens die Bedeutung eines Wortes, die Semantik. Dadurch weiß das System, dass ein »Hund« ein Tier ist. Zweitens die Bedeutung des Textes insgesamt. Dort hat der Hund vielleicht nur eine kleine Rolle gespielt. Man kann die Bedeutung insgesamt erfassen, aber das wird unpräzise. Es ist nicht scharf und klar wie ein Laser, sondern eher nebulös wie eine Wolke. Ich habe ja gleich zu Anfang zugegeben, dass die Technik nebulös ist. Da haben wir’s.

Was zunächst wirkt wie eine Schwäche, ist aber in der Praxis eine große Hilfe. Man findet Übereinstimmungen von Dingen, die ungefähr in die gleiche Richtung gehen. Auf diese Weise erkennt es, dass »Apple Event« und »Keynote« in die gleiche Richtung deuten, ungeachtet der Wortwahl.

Gespeichert wird es als eine Art Fingerabdruck, ein Zahlen-Wirrwarr, der sehr viele Aspekte abbildet. Welche Aspekte es sind, ist nicht direkt erkennbar. Es ist unscharf, wie ein Wölkchen. Jedes Wort verschiebt das Wölkchen zu einer etwas anderen Position, einer andere Größe, einer anderen Form, einer anderen Farbe. Mit den eingetippten Suchbegriffen geschieht dasselbe, auch wenn es ganz andere Worte sind. Gefunden wird dann jenes Wölkchen, das der »Such-Wolke« am nächsten ist.

Was hat Mac-TV damit zu tun?

Bei Mac-TV verwenden wir verschiedene Datenbanken, beispielsweise für die Sendungen oder für die Artikel. Auch die Inhalte unserer Sendungen bilden eine Art Datenspeicher.

Dieser Speicher ist sehr wertvoll. Eine App könnte zu jeder neuen Nachricht anzeigen, was wir über das Thema bereits gebracht haben. Ich könnte dann per KI zusammenfassen lassen, was wir über die Ultra-Prozessoren wissen, eine Art Dossier. Vielleicht veröffentlicht Apple einen neuen Ultra-Prozessor, und die App erkennt den Zusammenhang mit unseren früheren Beiträgen automatisch.

Es ist heute üblich (und ausreichend), einfach eine neue Nachricht zu veröffentlichen: Das ist der neue Ultra-Prozessor, fertig. Aber man könnte viel besser über die Hintergründe und Zusammenhänge informieren, wenn es nicht so mühsam wäre. Durch eine semantische Suche per Vektoren könnte es gelingen, die Berichterstattung deutlich zu verbessern.

Dieses futuristische System läuft bei Mac-TV experimentell im »Schattenbetrieb«. Das bedeutet, dass es sich noch nicht auswirkt, aber es testet den ganzen Tag ein Was-wäre-wenn-Szenario. Es liest die üblichen News-Feeds aus den USA und protokolliert, wie oft sich ein Vorteil ergeben hätte, wenn man dazu etwas aus unseren Daten gefunden hätte, was man als Erläuterung hätte hinzufügen können.

Als Datenbank verwendet die experimentelle App derzeit nur unsere Texte, also Artikel und Newsmeldungen, aber noch nicht die Sendungen. Das ist einer der Gründe, warum derzeit viele News und Artikel bei Mac-TV erscheinen. Wir geben dem »Schattenbetrieb« etwas zum Ausprobieren.

Aber gerade bei den Sendungen wäre es ein technischer Durchbruch.

Jedenfalls haben wir erstmal einen Haufen Text umgewandelt in Vektoren. Das ist genau das, was Spotlight macht, sobald man iOS 27 oder macOS 27 installiert. Apple verwendet für diese Umwandlung die lokale KI, und das ist der Grund, warum es langsam ist (aber kostenlos und privat, also die richtige Entscheidung von Apple). Wir verwenden dafür eine KI von OpenAI.

Ob das alles funktioniert? Keine Ahnung! Vermutlich nicht! Aber es macht Spaß, sich damit zu beschäftigen.

So, Schluss für heute. Ich muss zum Apple Store in der Innenstadt.

Da kaufe ich mir den neuen Putzlumpen.

Der funktioniert wenigstens.

PS: Hier noch die zwei Beiträge, damit Ihr nicht suchen müsst:



Zum Schluss noch einen Screenshot, wie unsere Schatten-App eine Nachricht bewertet anhand bereits vorhandener Daten aus unserer Datenbank. Es ging um eine Zusammenarbeit von Amazon (AWS) und Nvidia.
Was kann man dort sehen? Erstens eine allgemeine Einschätzung über den Neuigkeitswert. Dann eine präzise Auflistung, was konkret neu ist. Dann eine Liste, was bereits von uns berichtet worden war. Letzteres ist genau die Information, die das System liefern soll. Es erkennt, dass wir allgemein über Nvidia und auch über große Rechenzentren bereits berichtet haben.
Am Ende stehen die Quellen und ein paar technische Daten, die das System aus unserer Datenbank verwendet hat, um zu diesen Entscheidungen zu gelangen.

Spotlight in Aktion! Ich werd' bekloppt.