Apple sagt, mehr als 30 Prozent der neuen Uploads in Apple Music sind KI-generiert
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Ist das nun gut oder schlecht? Wahrscheinlich ist es schlecht. Die verdammte KI soll unsere Musik in Ruhe lassen!
Andererseits, wer seine Jugend zur Zeit von Modern Talking und dem Naabtal Duo durchlitten hat, weiß: Es war schon mal schlimmer.
Demnächst möchte Apple eine freiwillige Kennzeichnung einführen, so hat Apple es gegenüber seinen Partnern angekündigt. Jeder Künstler oder Verlag soll dann selbst entscheiden, ob die KI nur ein bisschen nachgeholfen oder ob sie gleich selbst durch die virtuelle Flöte geblasen hat.
Interessant ist der hohe Anteil von 30 Prozent. Man darf wohl annehmen, dass die Zahl rasant steigt. Zwar macht es derzeit einen winzigen Anteil dessen aus, was die Anwender sich tatsächlich anhören (0,5 Prozent laut Apple). Aber das liegt vermutlich nicht an der Musik selbst, sondern am Bekanntheitsgrad und am Anteil an der Alltagskultur. Damit will ich sagen, dass Elvis nunmal Elvis ist, und dass eine gerade angesagte Boygroup sehr viel mit dem Leben der Teenager zu tun hat (und sei es eingebildet), sodass die Teens kreischend vor dem Hotel stehen, wenn sie ihre Helden dort vermuten. All das fehlt der KI-Musik.
Illusionen
Es ist jedoch auch nicht wahr, dass in der bisherigen Musikindustrie alles echt wäre. Da gibt es plötzlich den lustigen Sommerhit, der überall im Radio läuft, und dem alle gerade genannten Attribute ebenso fehlen, weil ein anonymes Produzententeam ihn aus ein paar Samples zusammengeworfen hat. Die Plattenfirma wirft daraufhin hastig eine angebliche Band und ein paar Tänzer zusammen, damit man in TV-Shows auftreten kann.
Das ist Standard seit Jahrzehnten. Zumindest bei Unterhaltungsmusik ist fast alles eine Illusion, mit wenigen Ausnahmen. Die wenigen Ausnahmen sind eben sehr bekannt. Das meiste wird am Reißbrett entworfen, billig produziert, kurz getestet, dann verworfen.
Selbst bei bekannten Stars läuft das so: Ein Produzent ist verantwortlich für die nächste Platte. (Ja, ich weiß, dass es keine Platte mehr ist.) Man veranstaltet einen Wettbewerb mit Textern in einem Hotel. Dort sitzen die Texter, die ohne Bezahlung arbeiten. Dann wird ein Vormittag lang getextet bis der Schlüpfer qualmt, irgendein Schwachsinn, der wahnsinnig tiefsinnig oder frivol oder fröhlich klingen soll, was einem gerade einfällt.
Jeder schreibt, so viel er kann. Nach ein paar Stunden sammelt der Produzent alle Texte ein und wählt zwölf davon aus. Diese werden bezahlt, der Rest der Truppe geht leer aus. Die Musik zu den Texten wird auf ähnliche Weise produziert. Am Ende hat man zwölf bekloppte Songs, und acht davon klatscht man auf das Album. Es ist ein Handwerk.
Nicht alles wird auf diese Weise produziert, aber dieses System ist nicht ungewöhnlich. Klar, bei den wirklich großen Stars läuft es anders (solange die Umsätze stimmen). Es lief auch generell anders vor zwanzig Jahren. Aber diese Zeiten sind längst vorbei, ohne dass die KI daran schuld wäre.
Warum ausgerechnet Musik?
Was macht Apple Music so attraktiv für KI? Es ist dasselbe wie bei YouTube. Diese und ähnliche Dienste stehen vor einem fundamentalen Umbruch.
Warum? Dass KI-Modelle Musik und Video in überzeugender Qualität herstellen können, ist gar nicht so entscheidend. Die Aufmerksamkeit wird zumeist auf die Musik selbst (oder auf die Videos) gerichtet, und ob die KI solche Inhalte erzeugen kann. Aber das verfehlt den Punkt. Die Frage, ob die KI es kann, ist nicht relevant. Denn wenn sie es nicht kann, wird sie es irgendwann können.
Entscheidend ist der Feedback-Loop. Die KI muss erfahren, ob ihre Ergebnisse erfolgreich sind. Apple Music liefert die exakte Anzahl der Streams, ebenso YouTube. Dadurch lernt die KI, welche Merkmale gut ankommen. Außerdem gibt es Charts: Die KI kann daraus ableiten, was gerade angesagt ist, sozusagen als Zielgröße. Es ist sinnlos, ein Album mit deutschen Texten zu veröffentlichen, wenn die Top 100 selbst in Deutschland komplett englisch sind. Oder andersrum.
Wo immer es drei Zutaten gibt, wird die KI übernehmen: Regeln, Variation und ein Feedback-Loop. Und das ist exakt, was Apple Music darstellt. Und YouTube.
Welchen Weg geht Apple?
Wie kann Apple es verhindern, dass die kalte KI alle Menschlichkeit zuschüttet?
Die Frage ist, ob Apple es überhaupt will. Zwar wäre es möglich, dass man eine Weile damit prahlt, nur echte menschliche Musik anzubieten. Aber wenn sich die Regeln ändern sollten, und wenn man zum Geldverdienen vor allem eine KI, Abrufzahlen und schnelle Computer braucht — dann stellt sich die Frage, ob Apple das nicht alleine schafft. Vielleicht werden die Streaming-Anbieter ihren KI-Content kurzerhand selbst herstellen. Warum sollte man andere dafür bezahlen? — Eben!
Es wird anfangen mit Gebrauchsmusik: Musik zum Arbeiten, Musik zum Entspannen, Musik zum Meditieren, Musik zum Workout. Vielleicht mischt man in diese Playlisten erst fünf Prozent des eigenen KI-Krams hinein, dann zehn, je nach Resonanz.
Vielleicht gibt man den Anwendern die Kontrolle, indem sie eingeben dürfen, was sie gerade hören wollen. Es wird anfangs wirken wie ein interessantes Spielzeug, mit ein paar Reglern, die man selbst einstellen kann. Man versteckt es nicht verschämt, sondern man poliert es zu einem tollen Feature. Optional, optional. Es ist alles optional.
Und wenn wir einfach nicht mitmachen?
Vielleicht bestehen wir darauf, dass wir uns durch die Musik mit Menschen verbinden. Vielleicht möchten wir für Helden und Heldinnen schwärmen, echte Stars, nicht Software. Vielleicht verfliegt unser Interesse, wenn wir entdecken, dass alles nur eine Täuschung ist.
Die Musikindustrie wird uns diese Menschen, diese Helden, diese Stars bei Bedarf liefern. So war es immer. Denn nicht nur Musik ist ein menschliches Handwerk, sondern auch die Illusion. Es gibt Profis, die wissen, wie man diese Illusionen herstellt. Wenn die Kunden auf echte Bands bestehen, dann wird man ihnen echte Bands präsentieren.
Helene Fischer ist kein Fischer, Andy Borg ist kein Borg, Thomas Anders ist in der Tat anders, und Roy Black war weiß. Unterhalten haben sie uns trotzdem, oder genervt, je nach dem. Wir haben auch nicht mehr von ihnen verlangt. Vielleicht ist das eine ganz gute Einstellung.
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