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Feature

Der nächste Durchbruch? ChatGPT schnappt sich iMessage


Ein weiteres Gähnen in der Apple-Community, ein weiterer Jubel unter den KI-Punks: ChatGPT, nicht Siri, steuert iMessage. Damit wird genau das möglich, was Apple seit Jahren verspricht: »Wann kommt meine Großmutter am Flughafen an, und wo wollten wir dann essen gehen?«. Oder so ähnlich.

Ein Paukenschlag. Wie kann Apple es zulassen, dass ChatGPT eine Funktion liefert, an der Apple so lange gearbeitet hat und die so zentral wichtig ist? iMessage gehört zu den Kronjuwelen. Noch dazu der Zugriff auf lokale Daten. Doch ChatGPT bricht einfach ein. Apple steht machtlos daneben. Oder drehen sie irgendwann den Hahn zu? Können sie das überhaupt?

Zwar funktioniert es derzeit nur auf dem Mac. Denn der Mac bietet weitreichende Bedienungshilfen, mit denen Apps ferngesteuert werden können, sofern der Anwender es erlaubt. Außerdem kann man einen Zugriff auf die gesamte Festplatte gestatten, womit der Zugriff auf die lokalen Kopien aller iMessage-Gespräche funktioniert. Auf dem iPhone ist das nicht möglich.

Und trotzdem. iMessage ist ein weiterer Schritt, eine weitere Datenquelle. Das macht es nicht weniger wichtig, sondern im Gegenteil umso wichtiger. Denn ChatGPT kennt auch die anderen Datenquellen. Es weiß, an welchen Projekten man arbeitet, welche Dokumente man neulich erstellt hat, welche Deadlines man einhalten möchte. Es versteht Zusammenhänge, ohne danach gefragt worden zu sein. Es schaut in den Kalender, ohne dass man es mühsam befehlen müsste.

Vor ein paar Tagen habe ich in einem Editorial erläutert, dass die Betriebssysteme (macOS, iOS) langsam nach unten sinken, und dass darüber eine neue Schicht eingezogen wird. Hier sieht man die neue Schicht. Es geschieht vor unseren Augen. Anstatt Apps zu erlernen und zu bedienen, beschreiben wir in Zukunft Aufgaben und erwarten, dass sie erledigt werden. Beispielsweise könnte ich sagen:

»Gerade hat Samsung neue Galaxy Smartphones angekündigt, aber Basti kennt sich da besser aus als ich. Recherchiere, was Galaxy angekündigt hat und fasse es kurz zusammen, dann sende es Basti mit der Frage, ob er denkt, dass wir das in der Sendung gebrauchen können.«

Und wie von Zauberhand wird im Web recherchiert, zusammengefasst und an Basti gesendet. Diese Zusammenarbeit verschiedener Apps, mit verschiedenen Daten und mit verschiedenen Personen, war bislang die Aufgabe des Betriebssystems. Der Anwender hielt die Fäden zusammen, aber mit den Werkzeugen des Betriebssystems. Plötzlich ist das die Aufgabe dieser KI-Apps.

Ich könnte sagen:

»Suche in Apples Newsroom nach allen Produktankündigungen für dieses Jahr, aber berücksichtige nur Hardware, geordnet nach Quartalen. Sende die Liste an Basti mit der Bitte, er solle sich für jedes Quartal ein »bestes Produkt« aussuchen. Dann können wir einen Gewinner küren. Schreibe diese Liste auch in mein Sendekonzept für den 12. Dezember. Füge für jedes Produkt ein Bild hinzu, bitte ganz am Ende der Liste. Achte auf ausreichend große Bilder für eine Präsentation.«

Diese Verkettung von Aufgaben ist möglich bei den neuen Desktop-Apps der großen KI-Anbieter. Aber nicht bei Siri selbst. Ansätze davon zeigte Apple zwar in manchen Demos, aber es war weiterhin der Anwender, der die Schritte verband.

Hier ist das Demo, Schritt für Schritt. Zuerst in iMessage suchen: »Was war noch mal diese Nachspeise, die Maria neulich erwähnt hatte?« Daraufhin wurde es in iMessage gefunden. (Klicke auf den Titel dieses Artikels für eine größere Ansicht.)



Dann sollte diese Nachspeise mit einem zuvor gesuchten Rezept für die Hauptspeise zusammengeführt werden, um ein Menü zu erstellen. Die Aufgabe für Siri bestand darin, den früheren Kontext (die Hauptspeise) zu erinnern. Bisher ging das nicht.



Unten: Das Ergebnis wird angezeigt(ein Menü für eine Party).



Unten: Anschließend soll das Menü an eine Chatgruppe gesendet werden.



Unten: Siri formuliert den Text für die Nachricht, der auch das Menü enthält. Siri fragt, ob der Text gesendet werden soll.



Das ist alles wunderbar und tatsächlich nützlich. Jedoch kann der Anwender sehr viel komplexere Aufgaben automatisch erledigen lassen, wenn er anstelle von Siri einfach ChatGPT (oder eine ähnliche App) verwendet. Langsam sinken Apps und Betriebssystemen nach unten, und die eigentliche Oberfläche liefern andere.

Vielleicht ist einem die schrittweise Ausführung bei Siri und iMessage ohnehin lieber. Da sieht man wenigstens, was gerade passiert. Das mag alles sein. Aber die Zukunft wird dort gemacht, wo es anfangs noch etwas knirscht und rumpelt. Man sollte sich davon nicht blenden lassen, dass bei Apples alles so vertraut aussieht.

Apple kann diesen Trend nicht aufhalten, sondern nur mitmachen. Man muss nicht lange raten, welche Funktionen Apple im kommenden Jahr liefern wird.